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Saturn - "der große Übeltäter"

  • vor 3 Tagen
  • 3 Min. Lesezeit
der Planet Saturn
der Planet Saturn

Saturn hat mich schon lange in seinen Bann gezogen. Schon früh wollte ich begreifen, weshalb dieser Planet als so lebensfeindlich gilt. Er wird mit Tod und Begrenzung in Verbindung gebracht – doch um Leben entstehen zu lassen, braucht es Wärme und Feuchtigkeit. Dabei dürfen diese Begriffe nicht wörtlich verstanden werden. Wärme bedeutet nicht einfach Hitze, und Feuchtigkeit ist nicht bloß Wasser.

Wärme steht symbolisch für Energie, Feuchtigkeit für verbindende Substanz oder Materie. Erst das Zusammenspiel beider Prinzipien macht Leben möglich. Ohne Feuchtigkeit – also ohne das, was verbindet und nährt – kann nichts existieren. Doch ebenso braucht es eine gewisse Wärme, damit Bewegung entsteht. Bei extremer Kälte kommt alles zum Stillstand, da sich Moleküle unterhalb einer bestimmten Temperatur nicht mehr bewegen. Umgekehrt verhindert übermäßige Hitze und Trockenheit ebenfalls die Entstehung von Leben.


„Kalt und trocken“ beschreibt daher eine grundlegende Qualität eines Planeten. Diese essenziellen Eigenschaften kennzeichnen seine ursprüngliche Natur, können jedoch durch verschiedene Faktoren abgeschwächt oder verändert werden. Dazu zählen etwa die Stellung im Haus, die Würden sowie die Aspekte zu anderen Planeten. Solche Einflüsse können die schwierigen Wirkungen der sogenannten Übeltäter relativieren oder ausgleichen.


Betrachten wir nun Saturn im Widder, dem Zeichen seines Falls.

Widder ist von Natur aus warm und trocken. In diesem Zeichen verliert Saturn etwas von seiner extremen Kälte, doch seine Trockenheit verstärkt sich sogar. Dadurch entsteht ein Ungleichgewicht. Im Widder zeigt Saturn eher seine herausfordernden Seiten: Kontrollbedürfnis, Strenge, autoritäre Tendenzen. Seine zurückhaltende, besonnene Qualität lässt sich dort schwerer ausdrücken – auch wenn sie nie ganz verschwindet, da sie zu seinem Wesen gehört.

Das führt uns zu einer weiteren traditionellen Bezeichnung Saturns: der „große Übeltäter“. In der klassischen Astrologie gilt er als Planet, der mit Prüfungen, Einschränkungen und unangenehmen Erfahrungen verbunden ist. Übeltäter symbolisieren jene Bereiche des Lebens, denen wir lieber ausweichen würden. Wer beschäftigt sich schon gerne mit Konflikt, Aggression oder Krieg (Mars) – oder mit Grenzen, Verlust, Gesetz und Tod (Saturn)?

Saturn steht zudem für Kälte, Alter, Angst, Friedhöfe und alles, was verlangsamt oder erstarren lässt. Im Geburtshoroskop zeigt er den Lebensbereich an, in dem wir mit Unsicherheiten, Kontrolle oder Begrenzung konfrontiert sind. Trotz seines oft düsteren Rufs spielt Saturn eine zentrale Rolle in der Horoskopdeutung, in der Stundenastrologie und in Jahresprognosen.

Die Einteilung in Wohltäter und Übeltäter gehört zu den Grundlagen der traditionellen Astrologie. Die antiken Astrologen unterschieden die sieben mit bloßem Auge sichtbaren Planeten entsprechend ihrer Wirkung. Begriffe wie Würde, Exil, Fall oder Verbrennung sind dabei symbolisch zu verstehen – nicht wörtlich und auch nicht als Spiegel gesellschaftlicher Zustände. Es handelt sich um bildhafte Beschreibungen dafür, wie sich ein Planet je nach Position auf der Ekliptik und abhängig von anderen Faktoren ausdrückt.


Feuer etwa steht sinnbildlich für ständige Bewegung und Wandel – alles befindet sich im Fluss. Der Tod wird als Transformation verstanden: Die warme, bewegliche Qualität verdichtet und kühlt sich ab, wenn das Leben endet. Daher trägt „kalt“ eine negative Konnotation, weil es Bewegung mindert und Lebendigkeit reduziert. „Warm“ hingegen wird positiv bewertet, da es Dynamik und Leben fördert. Saturn gilt als kalt und wird deshalb als Übeltäter bezeichnet. Mars wiederum zählt ebenfalls dazu, allerdings aus dem entgegengesetzten Grund: Seine übermäßige Wärme kann zu Exzessen führen. Entscheidend ist jedoch immer das Zusammenspiel aller Faktoren im Gesamtbild.

Übertragen auf unseren Leben bedeutet die astrologische „Böswilligkeit“ eines Planeten nicht moralisches Übel, sondern eine potenziell schwierige Wirkung. Man könnte es mit einer schönen, aber giftigen Blume vergleichen: Sie besitzt eine gefährliche Eigenschaft, doch ob sie schadet, hängt von Umgang und Anwendung ab.


Ich hoffe, diese Erklärung macht deutlich, wie der Begriff „Übeltäter“ in der Astrologie zu verstehen ist.





 
 
 

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